Prozessfähigkeit bei China-Lieferanten: Cp, Cpk, SPC und MSA richtig anfordern
Ein Maßbericht zeigt, dass einige Teile heute passen. Prozessfähigkeit zeigt, ob der Fertigungsprozess morgen und in der nächsten Schicht voraussichtlich ebenfalls innerhalb der Toleranz bleibt. Für kritische Merkmale braucht der deutsche Einkäufer deshalb mehr als ein bestandenes Endmuster.
9 Min. Lesezeit · Für technischen Einkauf, Qualität und Produktion
Cp und Cpk ohne Zahlenmagie lesen
Cp beschreibt die potenzielle Streuung des Prozesses im Verhältnis zur Toleranz; Cpk berücksichtigt zusätzlich, ob der Mittelwert zur Toleranzmitte verschoben ist. Ein hoher Cp bei niedrigem Cpk bedeutet daher oft: Der Prozess könnte fähig sein, ist aber schlecht zentriert. Kennzahlen sind nur aussagekräftig, wenn der Prozess stabil ist und Daten aus einer repräsentativen Serienproduktion stammen.
Es gibt keinen universellen Cpk-Grenzwert für jedes Produkt. Kundennorm, Branche, Sicherheitsrelevanz und Reifegrad bestimmen die Forderung. Vereinbaren Sie deshalb je CTQ Merkmal, Stichprobenumfang, Zeitraum, Gruppierung nach Maschine/Kavität/Schicht sowie Reaktionsgrenze. Ein einzelner Cpk-Wert ohne Rohdaten, Regelkarte und Prozesskontext ist leicht zu schönen und schwer zu bewerten.
Erst das Messsystem, dann die Prozessbewertung
Wenn Messmittel oder Prüfer einen großen Teil der beobachteten Streuung verursachen, ist jede Fähigkeitszahl wertlos. Eine MSA beziehungsweise Gauge-R&R-Studie prüft Wiederholbarkeit, Vergleichbarkeit zwischen Prüfern und Eignung des Messverfahrens. Zusätzlich gehören Kalibrierstatus, Auflösung, Messbereich, Aufspannung und Umgebungsbedingungen in die Prüfung.
ISO 10012:2026 stellt die Verlässlichkeit von Messergebnissen in den Mittelpunkt. Praktisch heißt das: Messmittel-ID und Kalibrierstatus müssen im Bericht erkennbar sein; für enge Toleranzen wird vor der Bemusterung geklärt, ob der Lieferant überhaupt fähig messen kann. Bei Spezialmessungen kann ein unabhängiges, akkreditiertes Labor wirtschaftlicher sein als improvisierte Werksmessung.
SPC als Frühwarnsystem in der Serie
SPC überwacht ausgewählte Prozess- oder Produktmerkmale über die Zeit. Eine Regelkarte trennt zufällige Streuung von besonderen Ursachen wie Werkzeugverschleiß, Materialwechsel oder Temperaturdrift. Entscheidend ist der Reaktionsplan: Wer stoppt die Linie, welche Menge wird gesperrt, ab welchem letzten Gutteil wird rückverfolgt und wann darf die Produktion wieder anlaufen?
Fordern Sie SPC nicht pauschal für jedes Maß. Beginnen Sie mit wenigen sicherheits-, funktions- oder montagekritischen Merkmalen und prüfen Sie im Audit, ob Daten automatisch oder manuell entstehen, ob Ausreißer gelöscht werden und ob jede Kavität separat sichtbar ist. Gute Daten müssen zu Schichtprotokoll, Werkzeugwartung und Ausschussmenge passen.
- CTQ-Merkmale und erforderliche Fähigkeitsnachweise vorab festlegen.
- Daten nach Maschine, Kavität, Schicht und Materialcharge trennen.
- MSA und Kalibrierung vor Cp/Cpk-Nachweis bewerten.
- Rohdaten und Regelkarten statt nur zusammengefasster Kennzahlen anfordern.
- SPC-Reaktionsplan mit Sperrmenge und Wiederanlaufkriterium definieren.
- Kennzahlen bei Audit und Serienanlauf vor Ort plausibilisieren.
Häufige Fragen aus dem Industrieeinkauf
Ist Cpk 1,33 immer ausreichend?
Nein. 1,33 ist ein häufig verwendeter Orientierungswert für reife Prozesse, aber keine universelle Freigabegrenze. Sicherheitsmerkmale, Neuanläufe und kundenspezifische Vorgaben können höhere Werte oder zusätzliche 100-%-Prüfungen verlangen. Entscheidend ist die schriftlich vereinbarte Anforderung.
Wie viele Teile braucht eine Fähigkeitsuntersuchung?
Das hängt von Verfahren, Prozess und Kundenvorgabe ab. Eine kleine Kurzzeitstudie kann den Anlauf bewerten, ersetzt aber keine Langzeitfähigkeit über Materialchargen, Schichten und Wartungszyklen. Umfang und Gruppierung sollten ein Qualitätsverantwortlicher vor Datenerhebung festlegen.
Reicht das Kalibrierzertifikat des Messmittels?
Nein. Kalibrierung zeigt die metrologische Rückführung des Geräts; eine MSA bewertet zusätzlich das gesamte Messverfahren einschließlich Prüfer, Aufspannung, Teilestreuung und Umgebung. Ein kalibrierter Messschieber kann für eine sehr enge oder schwer zugängliche Toleranz trotzdem ungeeignet sein.
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Quellen & Normen
Die folgenden Primär- und Fachquellen bilden die Grundlage für die Einordnung. Welche Nachweise vertraglich erforderlich sind, hängt von Produkt, Branche und Kundenanforderung ab.
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