Wir prüfen Lieferanten und Ware vor Ort, bevor Sie die entscheidende Zahlung oder Versandfreigabe geben. Je nach Risiko übernehmen wir Audit, Zwischenprüfung, AQL-Endkontrolle oder gezielte Fotodokumentation.
Was wir übernehmen
Fabrikbesuch oder Lieferantencheck
Produktionsüberwachung nach Meilenstein
AQL-Stichprobenprüfung vor Versand
Foto-, Video- und Mängelreport
Ablauf
01
Prüfkriterien und Golden Sample festlegen
02
Kontrolltermin mit Fabrik abstimmen
03
Vor-Ort-Prüfung durchführen
04
Report auswerten und Freigabe empfehlen
Qualitätssicherung nach Risiko und Nachweis
Fabrikaudit und Warenprüfung erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Ein Audit beantwortet, ob ein Werk den Auftrag voraussichtlich beherrscht. Eine Produktinspektion beantwortet, ob die konkrete Charge die vereinbarten Kriterien erfüllt. Deutsche Einkäufer benötigen meist beides – zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit klaren Konsequenzen.
Welche Prüfung beantwortet welche Entscheidung?
Prüfform
Zeitpunkt
Entscheidung
Supplier Verification
vor Shortlist/Anzahlung
Existiert der Rechtsträger, passt das Bankkonto, ist die angegebene Fabrik plausibel?
Fabrikaudit
vor Erstauftrag, danach risikobasiert
Beherrscht das Werk Material, Prozess, Kapazität, Rückverfolgbarkeit und Änderungen?
Pre-Production Meeting
vor Serienstart
Sind Spezifikation, Golden Sample, CTQ, Prüfmittel und Verantwortliche verstanden?
During Production Inspection
bei laufender Fertigung
Sind kritische Prozesse stabil und lässt sich ein Serienfehler noch korrigieren?
Pre-Shipment Inspection
bei definierter Fertigstellungsquote, vor Versand
Pass, Conditional Pass oder Fail für die konkrete Charge?
Container Loading Check
bei Verladung
Werden freigegebene Menge, Kartons und Siegel korrekt verladen?
Ein belastbares Audit folgt dem realen Material- und Informationsfluss. Es gleicht Geschäftslizenz und Produktionsadresse ab, prüft Unterlieferanten, Maschinen und Kapazität, Wareneingang, Prüfmittelüberwachung, Arbeitsanweisungen, Rückverfolgbarkeit, Abweichungsmanagement, Change Control und Reklamationslernen. Fotos allein sind kein Nachweis; entscheidend sind Stichproben aus Aufträgen, Prüfprotokollen und Materiallosen.
Identität & Eigentum
Rechtsträger, Standort, Bankdaten, Marke, Exportrolle und Verhältnis zwischen Fabrik und Handelsfirma.
Kapazität & Engpässe
Maschinen, Schichtmodell, Auslastung, Fremdvergabe, Werkzeugstatus und belastbare Kapazitätsrechnung.
Qualitätssystem
Wareneingang, First Article, Prozesskontrolle, Kalibrierung, Sperrlager, CAPA und Änderungsfreigaben.
Produkt-Compliance
Stücklistenbezug der Berichte, kontrollierte Labeldaten, Materialdeklarationen und chargenbezogene Akte.
Das Ergebnis sollte keinen dekorativen Gesamtscore liefern, sondern kritische Findings, Maßnahmen mit Verantwortlichem und Termin sowie eine Beschaffungsentscheidung: freigegeben, bedingt freigegeben nach CAPA oder nicht freigegeben.
AQL nach ISO 2859-1:2026 richtig einordnen
ISO 2859-1:2026 ist die aktuelle Ausgabe der international verwendeten Stichprobenlogik für Attributprüfungen. Der AQL-Wert ist kein erlaubter Fehleranteil in der Lieferung und kein Produktsicherheitsnachweis. Er dient zusammen mit Losgröße, Prüfniveau und Stichprobenplan dazu, Stichprobengröße sowie Annahme-/Rückweisungszahlen festzulegen. Die Norm enthält auch Regeln für verschärfte oder reduzierte Prüfung; ein einzelnes Tabellenpaar ohne Lieferhistorie bildet das System daher nur unvollständig ab.
Null-Toleranz als vertragliche Regel; Charge stoppen und Ursache klären
Major
Funktion fällt aus, Maß außerhalb Nutzungstoleranz, falscher Artikel/Barcode
AQL/Abnahmeregel anwenden; bei Fail sortieren/nacharbeiten und erneut prüfen
Minor
kleiner kosmetischer Mangel ohne Funktionsbeeinträchtigung
separater Grenzwert; Trend und Kundenerwartung beobachten
Wichtig: Sicherheits- und Compliance-Merkmale werden nicht „wegstichprobt“. Für sie gelten geeignete Prüfmethoden, Dokumentenprüfung, gegebenenfalls Laborprüfung und definierte Null-Toleranz.
Prüfplan: von der Spezifikation zur objektiven Abnahme
Risiko analysieren: Fehlerfolge für Nutzer, Recht, Funktion, Marke und Logistik bewerten.
CTQ definieren: Merkmal, Sollwert/Toleranz, Methode, Prüfmittel, Stichprobe und Fehlerklasse festlegen.
Referenzen versionieren: Golden Sample, Pantone, Zeichnung, Stückliste, Verpackungs- und Labeldatei eindeutig benennen.
Prüfbereitschaft definieren: vereinbarte Fertigstellungs- und Verpackungsquote, zugängliche Gesamtmenge, kalibrierte Prüfmittel.
Entscheidungsregeln schreiben: Pass, Conditional Pass, Fail; wer darf eine Abweichung freigeben und wann ist Nachprüfung Pflicht?
Der Bericht enthält Los- und Stichprobendaten, zufällige Ziehung, Messergebnisse, Defektfotos mit Zuordnung, Funktions- und Verpackungstests, Dokument-/Labelabgleich und eine eindeutige Entscheidung. „Inspector thinks quality is good“ ist keine Abnahmebasis.
CAPA und Nachprüfung: Fehler nicht nur aussortieren
Bei einem Fail wird zuerst die Ware gesperrt. Danach folgen Fehlerbegrenzung, Ursachenanalyse, Korrektur, Wirksamkeitsnachweis und unabhängige Nachprüfung. Eine 100-%-Sortierung kann die Charge retten, beseitigt aber die Prozessursache nicht. Für Wiederholaufträge gehören Fehlertyp, Ursache und Maßnahme in einen Trendbericht, damit Prüfniveau und Auditfokus angepasst werden.
Keine Freigabe nur auf Basis von Lieferantenfotos nach einer fehlgeschlagenen Prüfung.
Nacharbeit erhält eine eigene Arbeitsanweisung und wird stichproben- oder vollumfänglich verifiziert.
Material- oder Prozessänderungen lösen einen kontrollierten Change Request aus.
Restzahlung und Versandfreigabe folgen erst der dokumentierten Abnahmebedingung.
Entscheidungsfragen aus der Einkaufspraxis
Welche AQL-Werte soll ich verwenden?
Nicht pauschal aus einer Internet-Tabelle übernehmen. Fehlerfolgen, Produkttyp, Prozessreife, Losgröße, Prüfniveau und Lieferhistorie bestimmen den Plan. Kritische Merkmale benötigen eine gesonderte Null-Toleranz- und Prüfstrategie.
Reicht ein Fabrikaudit einmalig aus?
Nein. Es ist eine Momentaufnahme. Wiederholung und Umfang richten sich nach Risiko, Änderungen, Reklamationen, Fremdvergabe und Lieferleistung. Jede Charge braucht unabhängig davon ihre produktbezogene Freigabe.
Ist ISO 9001 ein Beweis für gute Ware?
Nein. Ein Zertifikat kann ein Managementsystem belegen, ersetzt aber weder Prozessprüfung für Ihr Produkt noch die Abnahme der konkreten Charge. Zertifikat, Geltungsbereich und Aussteller müssen zudem verifiziert werden.
Offizielle Quellen und Prüfstand
Rechts-, Daten- und Methodenstand: 14.07.2026. Maßgeblich bleiben die konkrete Produkteinstufung und der Einzelfall; Normen, Zollmaßnahmen, Sanktionen und Behördenpraxis können sich ändern.