China-Import von A bis Z: das Glossar für Einkäufer

Incoterms, Prüfnormen, Zollbegriffe, Vertragsklauseln: Wer die Sprache des Imports spricht, verhandelt besser und wird seltener über den Tisch gezogen. Hier sind die Begriffe, die in unseren Projekten täglich fallen — jeweils mit dem Praxis-Guide dahinter.

36 Begriffe · laufend erweitert

A – C

AQL (Acceptable Quality Limit) — Statistisches Stichprobenverfahren nach ISO 2859: legt fest, wie viele Fehler eine Stichprobe enthalten darf, bevor die ganze Charge abgelehnt wird. Standard für Konsumgüter: 0/2,5/4,0 (kritisch/Haupt-/Nebenfehler). Zum AQL-Guide.

Antidumpingzoll — EU-Zusatzzoll auf bestimmte Warengruppen aus bestimmten Ländern (z. B. Fahrräder, Schrauben, Aluprofile aus China), teils über 40 %. Wird vor der Bestellung über die Zolltarifnummer geprüft — nicht an der Grenze entdeckt.

B/L (Bill of Lading) — Konnossement: das zentrale Seefracht-Dokument, zugleich Warenwertpapier. Wer das Original-B/L hält, kontrolliert die Ware im Zielhafen.

CE-Kennzeichnung — Erklärung des Herstellers bzw. Importeurs, dass ein Produkt alle einschlägigen EU-Richtlinien erfüllt. Beim Direktimport übernehmen Sie die Herstellerpflichten. Zum CE-Guide.

CBM (Cubic Meter) — Kubikmeter, die Rechen­einheit der Seefracht. Ein 20-Fuß-Container fasst ~28 CBM nutzbar, ein 40-Fuß-HC ~68 CBM. LCL-Fracht wird je CBM abgerechnet.

CNY / Chinese New Year — Das chinesische Neujahr (Januar/Februar) legt Fabriken 2–4 Wochen still; Vor- und Nachlauf kosten weitere Wochen Kapazität. Der wichtigste Termin der Jahresplanung. Zum Lieferzeiten-Guide.

D – G

DDP (Delivered Duty Paid) — Incoterm: Verkäufer trägt Transport, Zoll und Einfuhrabgaben bis zur Rampe des Käufers. Vorsicht bei „DDP"-Angeboten über Graukanäle mit Unterdeklaration — die Nachverzollung trifft den Empfänger. Zum Incoterms-Guide.

DFM (Design for Manufacturing) — Prüfung eines Produktdesigns auf Serientauglichkeit (Wandstärken, Entformung, Toleranzketten), bevor Werkzeuge gebaut werden. Spart die teuerste aller Iterationsschleifen.

EORI-Nummer — EU-weite Kennnummer für Wirtschaftsbeteiligte im Zollverkehr; ohne sie keine gewerbliche Einfuhr. Kostenlos beim Zoll zu beantragen. Zum EORI-Guide.

EUSt (Einfuhrumsatzsteuer) — Die „Mehrwertsteuer der Einfuhr" (DE: 19 %): wird auf Zollwert + Zoll erhoben und ist für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen ein durchlaufender Posten. Zum Importkosten-Guide.

FOB (Free on Board) — Incoterm: Verkäufer liefert bis an Bord des Schiffs im Abgangshafen; ab dort trägt der Käufer Fracht und Risiko. Der häufigste Kaufpreis-Standard im China-Geschäft.

Golden Sample — Das beidseitig freigegebene, versiegelte Referenzmuster, gegen das jede Seriencharge geprüft wird. Macht aus „gefällt mir" einen einklagbaren Qualitätsmaßstab. Zum Muster-Guide.

GPSR — EU-Produktsicherheitsverordnung (seit 12/2024): verlangt u. a. eine verantwortliche Person in der EU, Rückverfolgbarkeit und Risikoanalyse auch für nicht-CE-Produkte. Zum GPSR-Guide.

H – M

HS-Code / Zolltarifnummer — Weltweit harmonisierte Warennummer (EU: 8–10 Stellen), bestimmt Zollsatz, Antidumpingzölle und Verbote. Falsche Einreihung = Nachzahlung plus Zinsen bei der Zollprüfung.

Incoterms — Die 11 standardisierten Lieferklauseln der ICC (EXW, FOB, CIF, DDP …): regeln, wer wo Kosten und Risiko trägt. Die Wahl der Klausel verschiebt tausende Euro. Zum Incoterms-Guide.

LCL / FCL — Less than Container Load (Sammelcontainer, Abrechnung je CBM) vs. Full Container Load (eigener Container). Faustregel: ab ~13–15 CBM wird FCL günstiger als LCL.

LFGB — Deutsches Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch: der Prüfmaßstab für Lebensmittelkontakt („LFGB-geprüft" ist im deutschen Handel de facto Pflicht für Küchenware). Strenger als manche EU-Basisanforderung.

LUCID / VerpackG — Deutsches Verpackungsregister: Wer verpackte Ware in DE in Verkehr bringt, muss sich registrieren und Mengen lizenzieren — ohne Bagatellgrenze. Zum VerpackG-Guide.

MOQ (Minimum Order Quantity) — Mindestbestellmenge des Herstellers. Verhandelbar über Pilotserien, Standardfarben oder Bündelung — aber nie auf null. Zum MOQ-Guide.

N – R

NNN-Vereinbarung — Non-Disclosure, Non-Use, Non-Circumvention: die China-taugliche Alternative zum westlichen NDA — auf Chinesisch, nach chinesischem Recht, mit Vertragsstrafe. Nur so ist sie vor Ort durchsetzbar.

OEM / ODM — OEM: das Werk fertigt nach Ihrem Design. ODM: Sie passen ein bestehendes Werksdesign an (Logo, Farben, Details). ODM ist schneller und günstiger, OEM gehört ganz Ihnen.

PI (Proforma Invoice) — Vorab-Rechnung des Herstellers mit Preisen, Mengen, Incoterm und Zahlungsbedingungen — faktisch das Auftragsdokument. Alles, was hier nicht steht, existiert später nicht.

Pre-Shipment Inspection (PSI) — Endkontrolle bei 80–100 % Fertigstellung, vor Verladung und vor der Restzahlung: der letzte Moment, in dem Fehler auf Kosten des Werks behoben werden. Musterbericht ansehen.

REACH — EU-Chemikalienverordnung: beschränkt Stoffe wie Nickel, Cadmium, Blei, Phthalate und PAK in Produkten. Betrifft Schmuck, Textilien, Kunststoffe, Leder — Labortests je Charge sind der Standardweg.

RoHS — EU-Richtlinie zur Beschränkung gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (Blei, Quecksilber, bestimmte Weichmacher u. a.). Pflicht für praktisch jedes Elektroprodukt.

S – Z

T/T (Telegraphic Transfer) — Banküberweisung, der Standard-Zahlungsweg nach China. Üblich: 30 % Anzahlung, 70 % nach bestandener Prüfung gegen B/L-Kopie. Zum Zahlungs-Guide.

Trading Company vs. Fabrik — Händler mit Werksfassade oder echter Hersteller? Der Unterschied kostet 8–25 % Marge und jede direkte Qualitätskontrolle. Erkennbar an Geschäftslizenz, Fertigungstiefe und Audit. Zum Guide.

UN 38.3 — Transporttest-Norm für Lithiumbatterien: ohne den Prüfbericht nimmt kein Carrier Akkus, Powerbanks oder E-Bike-Batterien an. Gehört vor der Bestellung geklärt, nicht am Verschiffungstag.

WEEE / ElektroG — EU-Elektroaltgeräte-Regelung: Importeure von Elektrogeräten müssen sich im nationalen Register (DE: stiftung ear) eintragen, bevor verkauft wird. Marktplätze prüfen die Nummer automatisch.

Zollwert — Bemessungsgrundlage des Zolls: Warenwert plus alle Kosten bis zur EU-Grenze (Fracht, Versicherung). Auf Zollwert + Zoll wird anschließend die EUSt berechnet. Direkt ausrechnen.

Zweitquelle (Dual Sourcing) — Ein parallel qualifiziertes zweites Werk mit identischer Spezifikation: die Versicherung gegen Kapazitätsengpässe, Preisdiktate und Werksausfälle — aufgebaut, bevor man sie braucht.

Häufige Fragen zum Glossar

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Die Praxis-Guides dahinter

Begriffe sind der Anfang — Projekte das Ziel

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