Incoterms beim China-Import: Drei Buchstaben entscheiden über Kosten und Risiko
FOB Shanghai oder EXW Shenzhen? Die Lieferklausel bestimmt, ab welchem Punkt Kosten und Transportrisiko auf Sie übergehen — und sie entscheidet, ob ein vermeintlich günstiges Angebot in Wahrheit das teuerste ist. Die vier Klauseln, die im China-Geschäft wirklich vorkommen.
5 Min. Lesezeit · Für Einkäufer und Importeure
EXW — ab Werk: maximale Kontrolle, maximale Verantwortung
Bei EXW (Ex Works) endet die Pflicht des Verkäufers an seinem Werkstor: Sie organisieren Abholung, Exportabfertigung in China, Hauptlauf und Import. Der Warenpreis ist der niedrigste — aber Sie brauchen einen Spediteur mit China-Kompetenz, denn die chinesische Exportanmeldung ohne Mitwirkung des Verkäufers ist mühsam. EXW lohnt sich, wenn Sie ohnehin konsolidieren oder mehrere Lieferanten bündeln.
FOB — der Standard im China-Geschäft
Bei FOB (Free On Board) liefert der Verkäufer verzollt bis aufs Schiff im chinesischen Hafen; ab dort tragen Sie Kosten und Risiko. Das ist die gesunde Arbeitsteilung: Der Lieferant kennt seinen lokalen Vorlauf und die chinesische Exportabfertigung, Sie (oder Ihr Dienstleister) kontrollieren den teuren Hauptlauf und wählen den Spediteur selbst — statt die intransparente Frachtmarge des Verkäufers zu bezahlen. Für die meisten Importeure ist FOB die richtige Wahl.
CIF — klingt bequem, ist es selten
Bei CIF (Cost, Insurance, Freight) organisiert und bezahlt der Verkäufer die Fracht bis zum EU-Hafen — das Risiko geht trotzdem schon bei Verladung in China auf Sie über. Die Falle: Verkäufer kaufen die billigste Fracht ein und verdienen daran, und im Zielhafen warten überhöhte „Local Charges“ des vom Verkäufer gewählten Agenten, die Sie zahlen müssen, um an Ihre Ware zu kommen. CIF-Angebote sehen im Vergleich günstig aus und sind es nach Local Charges oft nicht mehr.
DDP — der Rundum-Preis, wenn er seriös ist
Bei DDP (Delivered Duty Paid) bekommen Sie einen Endpreis frei Rampe, verzollt und versteuert — die bequemste Klausel, und die richtige, wenn ein Dienstleister mit regulärer deutscher Verzollung dahintersteht. Warnung vor Graukanal-DDP chinesischer Anbieter: unterdeklarierte Zollwerte, Sammelverzollung über Drittländer, keine für Sie verwertbare EUSt — und wenn der Zoll nachprüft, haften Sie als Empfänger. Seriöses DDP erkennen Sie an einer deutschen Rechnung mit ausgewiesener Steuer.
Häufige Fragen zu Incoterms
Welcher Incoterm ist für Einsteiger am sichersten?
Seriöses DDP über einen deutschen bzw. EU-Dienstleister: ein Preis, ein Ansprechpartner, keine Überraschungen an Hafen oder Zoll. Wer selbst Speditionskompetenz aufbauen will, wählt FOB und kontrolliert damit den Hauptlauf. EXW nur mit erfahrenem Spediteur, CIF am besten gar nicht.
Wo genau geht das Risiko bei FOB über?
Mit Verladung an Bord des Schiffs im Verschiffungshafen (Incoterms 2020). Praktisch heißt das: Transportversicherung ab China-Hafen ist Ihre Sache — sie kostet typischerweise 0,2–0,4 % des Warenwerts und gehört in jede FOB-Kalkulation. Bei uns ist sie in DDP-Angeboten enthalten.
Der Lieferant bietet nur EXW an — ist das ein Warnsignal?
Nicht unbedingt: Kleine Fabriken ohne eigene Exportlizenz liefern oft nur EXW und lassen den Export über Agenturen laufen. Das ist normal — aber es verrät, dass Sie es mit einem kleinen Werk zu tun haben, und die Exportabwicklung braucht dann einen erfahrenen Partner vor Ort. Genau dafür existiert unser Einkaufsbüro.
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Lieber ein Preis ohne Kleingedrucktes?
Wir liefern DDP mit regulärer deutscher Verzollung: ein Endpreis frei Rampe, transparent aufgeschlüsselt — Anfrage genügt.