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Vom Produktbriefing bis zur Lieferung nach Deutschland

Ein klarer Prozess reduziert Missverständnisse zwischen deutschem Einkauf und chinesischen Lieferanten.

01

Briefing

Produkt, Zielpreis, Menge, Zertifikate, Lieferadresse und vorhandene Links werden strukturiert aufgenommen.

02

Lieferantencheck

Fabriken, Trading Companies, Angebote und offensichtliche Risiken werden vergleichbar gemacht.

03

Muster & Angebot

Muster werden koordiniert, bewertet und mit Preis, MOQ und Lieferzeit abgeglichen.

04

Qualität

Golden Sample, Prüfkriterien, AQL oder Fotoreport werden vor Versand definiert.

05

Versand & Import

Dokumente, HS-Code, Verpackung, Frachtweg und deutsche Belege werden vorbereitet.

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Prozessmodell für Einkauf und Geschäftsführung

China-Import in acht kontrollierten Phasen

Ein belastbarer Importprozess ist kein linearer „Bestellen-und-Versenden“-Ablauf. Jede Phase endet mit einem dokumentierten Go, Rework oder Stop. So werden technische, rechtliche und kaufmännische Risiken erkannt, solange eine Korrektur noch möglich und bezahlbar ist.

Das Prozessmodell mit Inputs, Ergebnissen und Freigaben

PhasePflicht-InputErgebnis / Gate
1. Bedarf klärenFunktion, Zeichnung/Fotos, Material, Zielmenge, Absatzland, ZielterminVersioniertes Sourcing Brief und realistische Ziel-Landed-Cost
2. Markt & LieferantenSuchprofil, Ausschlusskriterien, Compliance-ScopeLonglist, dann Shortlist rechtlich und technisch prüfbarer Kandidaten
3. Angebot normalisierenIdentische RFQ, Incoterm-Ort, Verpackung, Werkzeug, PrüfplanVergleichbarer TCO statt ungleicher Stückpreise
4. Due Diligence & VertragRechtsträger, Lizenz, Bankkonto, IP- und QualitätsrisikenFreigegebener Vertragspartner, Spezifikation, Zahlungs- und Abnahmeregeln
5. Muster & ComplianceVorserie, technische Akte, Label, Anleitung, TestplanGolden Sample und dokumentierter Compliance Release
6. ProduktionFreigabeversion, Stückliste, Produktions- und KontrollplanIn-Process-Freigabe oder CAPA mit Nachprüfung
7. Endkontrolle & VersandFertigstellungsgrad, Stichprobenplan, BuchungsdatenPass / Conditional Pass / Fail vor Restzahlung und Verladung
8. Zoll, Wareneingang & LernenTarifierung, EORI, Ursprungs-/Transportdokumente, PrüfberichtRevisionsfähige Importakte und Maßnahmen für die nächste Charge

Gate 0: Das Briefing muss beschaffbar sein

„Dasselbe wie auf dem Foto, aber günstiger“ ist kein prüffähiger Bedarf. Das Briefing trennt Muss-, Soll- und Kann-Kriterien und nennt die Messmethode. Für ein Gehäuse sind beispielsweise Polymer, Farbe, Glanzgrad, Wandstärke, Maßtoleranz, Fallhöhe und Verpackung relevanter als ein allgemeines „hochwertig“. Gleichzeitig werden Absatzland, Nutzergruppe, Strom/Funk, Lebensmittel- oder Hautkontakt und Kinderbezug erfasst – sie bestimmen die regulatorische Route.

Freigaberegel: Kein RFQ ohne eindeutige Spezifikationsversion, Zielmenge, Lieferort des Incoterms und Liste der verlangten Nachweise.

Rollenmodell für ein deutsches B2B-Importprojekt

Die folgende RACI-Logik verhindert, dass Aufgaben zwischen Einkauf, Lieferant, Prüfdienstleister, Spedition und Steuerberatung verschwinden. A steht für die endgültig verantwortliche Stelle, R für die ausführende, C für fachlich einzubeziehende und I für zu informierende Rollen.

ArbeitspaketARC / I
Produktspezifikation und wirtschaftlicher CaseDeutscher AuftraggeberEinkauf / ProduktmanagementQualität, Vertrieb, Sourcing
EU-ProduktkonformitätJe nach Rechtsrolle Hersteller/ImporteurCompliance-VerantwortlicherLabor, Lieferant, ggf. Fachberatung
ProduktionsqualitätAuftraggeberWerk + unabhängige KontrolleSourcing, Labor
Tarifierung und ZollanmeldungAnmelder / ImporteurZollvertretungEinkauf, Steuerberatung, Spedition
Transport und Versicherunggemäß Vertrag/IncotermSpedition / VersicherungsnehmerWerk, Empfänger

Der Dokumentensatz, der jede Charge begleitet

Commercial

Bestellung/Vertrag, Proforma und Handelsrechnung, Packliste, Zahlungsnachweise, Incoterm mit benanntem Ort.

Technical

Spezifikation, Zeichnungen, Stückliste, Golden-Sample-Freigabe, Änderungsstand, Prüf- und CAPA-Berichte.

Compliance

Pflichtenmatrix, Risikoanalyse, Prüfberichte, Konformitätserklärung soweit erforderlich, Label- und Anleitungsfreigaben.

Customs & Logistics

Warennummer-Herleitung, Ursprung, EORI, Frachtpapier, Versicherung, Zollanmeldung und Abgabenbeleg.

Eine Dateiablage nach Lieferant reicht nicht. Strukturieren Sie nach Artikel und Charge, damit jede ausgelieferte Einheit auf Freigabe, Nachweise und Produktionslos zurückgeführt werden kann.

Zeitplanung: Rückwärts vom Bedarfstermin

Planen Sie nicht nur Produktions- und Fahrzeit. Vorlauf entsteht durch Spezifikation, Lieferantensuche, Musterloops, Laborprüfungen, Werkzeugkorrekturen, Buchungsfenster, Vorlauf zum Hafen, Zoll und Nachlauf. Zusätzlich gehören Puffer für chinesische Feiertage, Peak Season, Hafenstörungen und Nachprüfung in den Terminplan.

BestellterminBedarfstermin − Nachlauf/Zoll − Hauptlauf − Exportvorlauf − Produktionszeit − Freigabe-/Testzeit − Risikopuffer

Der Puffer ist risikobasiert: Ein Wiederholartikel mit stabilem Werk benötigt weniger als ein neues Funkprodukt mit Werkzeug, mehreren Labortests und saisonalem Launch. Jede Terminzusage wird an Annahmen geknüpft und bei Änderungen neu gerechnet.

Verbindliche Stop-Kriterien

  • Empfänger des Geldes ist nicht der vertraglich geprüfte Rechtsträger und die Abweichung ist nicht plausibel dokumentiert.
  • Prüfberichte lassen sich nicht auf Modell, Material, Farbvariante oder aktuellen Normenstand zurückführen.
  • Serienware weicht ohne genehmigten Change Request von Muster, Stückliste, Label oder Verpackung ab.
  • Eine Endkontrolle ist nicht möglich, weil Ware nicht fertig, nicht zugänglich oder bereits versiegelt/verladen ist.
  • Warennummer, Ursprung, Importeurrolle oder erforderliche Registrierungen sind vor Versand ungeklärt.

Entscheidungsfragen aus der Einkaufspraxis

Wie lange dauert ein erster China-Import?

Das hängt wesentlich von Produktreife, Werkzeug, Prüfbedarf, Werk und Transportmodus ab. Eine seriöse Planung zerlegt die Phasen und rechnet rückwärts; eine pauschale Wochenangabe ohne diese Inputs ist nicht belastbar.

Wann wird die Restzahlung fällig?

Nicht nach einem universellen Schema. Sie sollte an vertraglich definierte Nachweise und Abnahmebedingungen gekoppelt sein. Bei kritischen Projekten gehört eine bestandene Endkontrolle vor Restzahlung in den Prozess.

Kann eine Spedition den gesamten Compliance-Teil übernehmen?

Nein. Eine Spedition kann Logistik und Zollvertretung übernehmen, ersetzt aber nicht die produktsicherheitsrechtliche Verantwortung des maßgeblichen Wirtschaftsakteurs.

Offizielle Quellen und Prüfstand

Rechts-, Daten- und Methodenstand: 14.07.2026. Maßgeblich bleiben die konkrete Produkteinstufung und der Einzelfall; Normen, Zollmaßnahmen, Sanktionen und Behördenpraxis können sich ändern.

Vertiefung: Projektsteuerung

Jedes Gate braucht Eigentümer, Nachweis und Eskalationsweg

Ein Prozessdiagramm allein steuert kein Importprojekt. Für jede Phase werden eine verantwortliche Person, ein fälliger Nachweis, eine Entscheidung und ein nächster Termin dokumentiert. Dadurch bleiben Abweichungen sichtbar, bevor sie zu Liefer- oder Compliance-Problemen werden.

Minimaler Entscheidungslog

FeldPflichtinhaltWarum es zählt
Gate OwnerEine namentlich verantwortliche Stelle, nicht „Team“ oder „Lieferant“Verhindert ungeklärte Freigaben
EvidenceDokument, Prüfbericht, Musterrevision oder RegisterbelegTrennt Behauptung von prüfbarer Grundlage
DecisionGO, CONDITIONAL, REWORK oder STOP mit DatumMacht den Projektstatus eindeutig
Open issueRisiko, Auswirkung, Verantwortlicher und FälligkeitVerhindert, dass „später“ zur stillen Freigabe wird
Change impactKosten, Termin, Qualität und Compliance nach ÄnderungSchützt vor unbewerteten Material- und Lieferantenwechseln

Eskalationsregeln für Einkauf und Geschäftsführung

48-Stunden-Regel

Kritische Abweichungen werden nicht nur im Chat geklärt. Innerhalb eines festgelegten Fensters folgen Problemdefinition, Sofortmaßnahme, Verantwortlicher und Termin für den belastbaren Korrekturplan.

Keine implizite Freigabe

Schweigen, Zeitdruck oder gebuchte Fracht ersetzen kein GO. Eine bedingte Freigabe nennt Restpunkte, Risikoakzeptanz und spätesten Schließtermin.

Change Freeze

Nach Golden Sample dürfen Material, Unterlieferant, Werkzeug, Firmware, Label und Verpackung nur über einen dokumentierten Change Request geändert werden.

Management Trigger

Ungeklärte Importeurrolle, Sicherheitsrisiko, abweichender Zahlungsempfänger oder verweigerte Inspektion führen zur Eskalation vor weiterer Zahlung.

Projekt-Gate- und RACI-VorlageCSV für acht Phasen mit Verantwortlichen, Nachweisen, Gate-Status, offenen Punkten und Folgeaktion.
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