Compliance-Checkliste: Was vor einem China-Import nach Deutschland geklärt sein muss
Der Einkaufspreis ist nur ein Teil der Entscheidung. Für deutsche Händler zählen auch Produktsicherheit, Kennzeichnung, Registrierungen und Dokumente. Diese Checkliste zeigt die wichtigsten Prüfblöcke, bevor Sie bestellen.
Ressource · Für Importeure, Marktplatzhändler und Eigenmarken
Der schnelle Vorabcheck
Vor jeder Bestellung sollte klar sein, ob das Produkt überhaupt in Deutschland verkehrsfähig ist. Die Antwort hängt an Produktkategorie, Zielgruppe, Material, Strom/Batterie, Lebensmittelkontakt, Kinderbezug und Kennzeichnung. Wenn einer dieser Punkte unklar ist, sollte nicht produziert werden.
- Produktkategorie und Zielgruppe eindeutig bestimmen
- Pflichtnormen und Richtlinien prüfen: CE, GPSR, REACH, RoHS, LFGB, Spielzeug, Textil
- Kennzeichnung: Hersteller/Importeur, Warnhinweise, Sprache, Symbole, Chargen
- Registrierungen: VerpackG/LUCID, WEEE, Batteriegesetz, EPR je Kategorie
- Dokumente: Prüfbericht, Konformitätserklärung, Materialdaten, Bedienungsanleitung
Die drei gefährlichsten Lücken
Erstens: Testberichte, die nicht zum konkreten Modell passen. Zweitens: Etiketten ohne deutschen Inverkehrbringer oder Warnhinweise. Drittens: Plattformanforderungen, die erst nach Listung auffallen. Diese Lücken stoppen nicht immer den Import, aber sie stoppen Verkauf und Auszahlung.
Wie wir das Dokumentenpaket strukturieren
Für jedes Projekt legen wir eine Produktakte an: Spezifikation, Lieferantennachweise, Prüfberichte, Fotos vom Label, Verpackungsdaten, Importdokumente und Freigabeentscheidungen. So haben Sie bei Amazon, Otto, Zoll, Versicherung oder Marktaufsicht eine klare Antwort statt Chat-Screenshots.
Häufige Fragen zur Import-Compliance
Ersetzt diese Checkliste Rechtsberatung?
Nein. Sie ist ein praktischer Einkaufs- und Dokumentencheck. Bei rechtlich kritischen Produkten empfehlen wir zusätzlich spezialisierte Beratung oder Laborklärung.
Kann ein chinesischer CE-Bericht ausreichen?
Manchmal, wenn Labor, Normenstand, Modellbezug und Testumfang stimmen. Häufig sind Berichte aber alt, unvollständig oder für ein anderes Modell.
Welche Produkte sind besonders riskant?
Elektronik, Spielzeug, Babyartikel, Lebensmittelkontakt, Kosmetik, Schmuck, PSA, Medizinprodukte und alles mit Akku oder Funkmodul.
Passende Themen
Die 12-Gate-Compliance-Checkliste für deutsche Importeure
Diese Checkliste ist als Einkaufs- und Freigabeprozess aufgebaut. Sie ersetzt keine produktspezifische Rechtsberatung, macht aber sichtbar, welche Entscheidungen und Nachweise vor Anzahlung, Serienstart, Versand und Listing vorliegen müssen.
Gate 1–4: Produkt und Rechtsrolle richtig bestimmen
- Produkt abgrenzen: Funktion, bestimmungsgemäße und vorhersehbare Nutzung, Zielgruppe, Materialien, Strom/Funk, Akku, Haut-, Lebensmittel- oder Kinderkontakt dokumentieren.
- Absatzländer und Kanäle festlegen: Sprache, Kennzeichnung, Registrierungen und Online-Offer-Angaben richten sich nach dem Zielmarkt – nicht nur dem Importhafen.
- Rechtsakte mappen: produktspezifische CE-Vorschriften, GPSR, REACH/RoHS, Lebensmittelkontakt-, Textil-, Kosmetik-, EPR- und weitere Regeln in einer Pflichtenmatrix zusammenführen.
- Wirtschaftsakteure festlegen: Hersteller, Importeur, Bevollmächtigter/verantwortliche Person, Fulfilment- und Plattformrollen schriftlich zuordnen.
Gate 5–8: Nachweise, Kennzeichnung und Registrierungen
- Konformitätsroute definieren: Normen/Prüfmethoden, Eigenbewertung oder notifizierte Stelle, Risikobeurteilung und erforderliche Erklärungen festlegen.
- Nachweise verifizieren: Labor, Berichtnummer, Scope, Normenausgabe, Fotos, Modell, Stückliste, Material- und Farbvarianten gegen die geplante Ware prüfen.
- Label und Anleitung freigeben: CE nur wo vorgeschrieben, Produkt-/Chargen-ID, Hersteller/Importeur, verantwortliche Person, WEEE-/Batterieangaben, Warnungen und deutsche Sicherheitsinformationen prüfen.
- EPR/Registrierung abschließen: je Produkt LUCID/Systembeteiligung, WEEE/ear, Batterie- und weitere nationale Registrierungen vor Inverkehrbringen klären.
| Risikomerkmal | Zusätzliche Prüffragen |
|---|---|
| Stecker, Netzteil, Motor | LVD/EMV, RoHS, WEEE, elektrische Sicherheit, tatsächliche Komponenten |
| WLAN, Bluetooth, Funk | RED, Frequenznutzung, EMV, Software-/Cybersecurity-Anforderungen |
| Batterie/Akku | Batterierecht, UN 38.3, Gefahrgut, austauschbar/fest verbaut, Kennzeichnung |
| Kind/Spielzeug | Altersklassifizierung, mechanische/chemische Risiken, Warnungen, Spielzeugrecht |
| Lebensmittelkontakt | Material-spezifische Migration, Nutzungsbedingungen, DoC, Rückverfolgbarkeit |
| Haut/Schmuck/Textil | REACH-Stoffe, Nickel, Farbstoffe, Faser-/Materialkennzeichnung |
Gate 9–12: Serie, Fernabsatz, Importakte und Marktphase
- Serienidentität sichern: Golden Sample, Stückliste, freigegebene Unterlieferanten, Change Control und Prüfplan verhindern, dass eine ungetestete Version geliefert wird.
- Online-Angebot prüfen: Produktidentifikation, Herstellerkontakt, EU-verantwortliche Person bei Drittlandshersteller und erforderliche Warn-/Sicherheitsinformationen sichtbar abbilden.
- Chargen- und Importakte schließen: Freigabebericht, Handels-/Transport-/Zolldokumente, Warennummer, Ursprung, Fotos und Nachweise eindeutig der Charge zuordnen.
- Post-Market-Prozess aktivieren: Beschwerden und Vorfälle bewerten, Behörden-/Safety-Business-Gateway-Prozess, Rücknahme/Rückruf und CAPA vorbereiten.
Online-Offer-Gate nach GPSR
Für relevante Verbraucherprodukte müssen im Fernabsatz die erforderlichen Informationen unmittelbar im Angebot zugänglich sein. Prüfen Sie jede Variante und jeden Marktplatz, nicht nur die eigene Shopseite.
- Produktbild und Identifikation erlauben eine eindeutige Zuordnung zur technischen Akte.
- Name/Marke sowie Post- und elektronische Adresse des Herstellers sind vorhanden.
- Bei Hersteller außerhalb der EU sind Name sowie Post- und elektronische Adresse der verantwortlichen Person angegeben.
- Warn- und Sicherheitsinformationen stehen verständlich auf Deutsch zur Verfügung.
- Listing, Label, Anleitung und tatsächliche Serienversion widersprechen sich nicht.
Freigabematrix: Wer darf was entscheiden?
| Gate | Freigabe | Unzulässige Abkürzung |
|---|---|---|
| Vor Anzahlung | Rechtsträger + Pflichten-/Nachweisplan + Vertrag | Zahlung nur wegen Muster oder Plattform-Badge |
| Vor Serienstart | Golden Sample + Spezifikation + Label + geschlossene kritische Testlücken | Produktion mit „Dokumente kommen später“ |
| Vor Versand | Chargenprüfung + Dokumenten-/Labelabgleich + Zollfähigkeit | Freigabe nur mit Lieferantenfotos |
| Vor Listing | GPSR-Angebotsangaben + Registrierungen + Rückverfolgbarkeit | Listing kopieren, bevor Produktversion bestätigt ist |
Minimalstruktur der digitalen Produktakte
Nutzen Sie eine feste Ordner- und Benennungslogik: Artikel / Revision / Charge / 01_Scope / 02_Spezifikation / 03_Lieferant / 04_Tests / 05_Label_Anleitung / 06_QC / 07_Import / 08_Post-Market. Jede Freigabe nennt Dokumentversion, Verantwortlichen und Datum. So lässt sich auch Jahre später belegen, welche Produktversion tatsächlich verkauft wurde.
Entscheidungsfragen aus der Einkaufspraxis
Muss jedes Produkt ein CE-Zeichen tragen?
Nein. CE darf nur auf Produkten angebracht werden, für die einschlägige harmonisierte EU-Vorschriften die Kennzeichnung verlangen. Produkte ohne CE-Pflicht unterliegen dennoch Sicherheits-, Kennzeichnungs- und gegebenenfalls Material-/EPR-Regeln.
Wie erkenne ich, ob ein Laborbericht zur Ware passt?
Vergleichen Sie Modell, Fotos, Stückliste, Komponenten, Materialien/Farben, Prüfstandard und -ausgabe, Auftraggeber, Datum, Labor-Scope und Berichtnummer. Verifizieren Sie kritische Berichte beim Aussteller.
Darf die Serienproduktion vor Abschluss der Tests starten?
Nur wenn die verbleibenden Risiken ausdrücklich bewertet und reversibel sind. Bei sicherheits- oder marktzugangsrelevanten Lücken sollte die Serie nicht gestartet werden, weil Material- und Werkzeugentscheidungen später teuer oder nicht korrigierbar sind.
Offizielle Quellen und Prüfstand
Rechts-, Daten- und Methodenstand: 14.07.2026. Maßgeblich bleiben die konkrete Produkteinstufung und der Einzelfall; Normen, Zollmaßnahmen, Sanktionen und Behördenpraxis können sich ändern.
- EU-Kommission / EUR-Lex: GPSR-Leitlinien: Pflichten und Angaben im Fernabsatz
- Your Europe: CE-Kennzeichnung: Pflichten von Hersteller und Importeur
- Your Europe: Product compliance: responsibilities of importers
- ZSVR: LUCID-, Systembeteiligungs- und Meldepflichten
- stiftung ear: Pflichten und WEEE-Registrierung für Elektrogeräte
- EU Safety Gate: Produktsicherheitswarnungen und Safety Business Gateway
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